Geschichtliches rund um Zaschendorf


Zaschendorf ist eines der kleinsten, aber mit durchschnittlich 340 m über NN das
am höchsten gelegene Dorf im Schönfelder Hochland. Aufgeteilt ist es in ein
"Unterdorf" und ein "Oberdorf". Das letztere entstand erst in der zweiten Hälfte
des 19. Jh.
In der ersten Hälfte des 20. Jh. war Zaschendorf ein Waldhufendorf, dessen Flure
sich nach Norden und Nordwesten hinzogen. Die einzelnen Höfe des Waldhufendorfes
wurden in einer langen Reihe der Talsohle oder der Straße entlang gebaut,
deshalb spricht man bei dieser Besiedlungsform oft auch von Reihendörfern. Jedes
Gehöft hatte in einem schmalen Streifen seinen Besitz in Form von Gärten,
Wiesen, Äckern und Wald hinter sich. Die einzelnen Gehöfte waren durch Feldwege
und Hecken voneinander getrennt, die als natürliche Zäune das Vieh auf dem
eigenen Besitz halten sollten. Die Häuserreihen waren in Folge dieser
Grundbesitzverteilung beinahe so lang, wie die Gemarkung.
Die eigentlichen Waldhufendörfer bestanden dabei aus 10 - 15 Hufen (Hufen:
ehemaliges Durchschnittsmaß bäuerlichen Grundbesitzes, auch veraltet für Acker,
Landbesitz), wobei die Größe der Hufen zwischen 120 und 150 Morgen (ein Morgen =
2533,2 qm) schwankte. Davon waren typischerweise zwei Drittel Waldgebiet.
Heute ist Zaschendorf ein Platzdorf, das bedeutet, dass alle Straßen des Ortes
auf den Dorfplatz führen. Zaschendorf entstand im 11. /12. Jh. als Ansiedlung
fränkischer Bauern. Gegründet wurde das Dorf vermutlich durch einen Lokator
(Kolonialland verteilender Ritter) namens Cas(tis)lav. Die erste Ortsbezeichnung
Zaschlensdorff aus dem Jahre 1367 und Zcazlauwendorf aus dem Jahre 1387 wurden
wahrscheinlich von dem Namen des Lokators abgeleitet. Auch könnte der Name des
Dorfes von den Vornamen Castolaus, Tsastolaus, Schasliw, Zschaßlaw oder
Zcschaschlaw herrühren. Der Vorname Zcschaschlaw kommt in der Familie von
Schönfeld in den Jahren 1344 bis 1474 häufig vor.
Die Gemarkung raint nördlich mit den Doberwiesen und den Hinterbergen an die
Eschdorfer Flur, entlang der ehemaligen Gemeindeviehtreibe mit Schullwitz und
Reitzendorf und in einem Zipfel auf dem Hahnstein oder am Zschoben mit Borsberg.
Im Süden grenzt das Pillnitzer Waldgebiet an.
Bereits im Jahre 1387 bestand im Ort ein Vorwerk mit einer Hammelschäferei des
Rittergutes Schönfeld. Um 1490 kam Zaschendorf zum Rittergut Schönfeld. 1494 war
der Ort "mit gerichten über hals und hant" im Besitz der Familie von
Karras. Zaschendorf war also ein sogenanntes Besitzdorf, d. h. eine Gründung von
Einzelpersonen. Das Erbregister aus dem Jahre 1535 enthält Bestimmungen über die
Fronarbeiten von zehn leibeigenen Bauern. Demzufolge hatte jeder Bauer jährlich
folgendes zu leisten: "9 pflüge, 34 sicheln, 8 sensen, 9 Rechen, 7 Tage
loben adir holzhawen, 1 tagk honigk schneiden, die Wiesen daselbst heuen, dürr
machen, schobern" sowie andere Feld- und Jagddienste.
Das Charakteristische an Zaschendorf war das alte Ortsiegel. Es zeigt einen
Bauern mit sechs Ähren.
Um 1900 wurde versucht, das Dorf zusammen mit Borsberg wegen seiner
landschaftlich reizvollen Lage als Höhen-Luftkurort und Sommerfrische
auszubauen. Der damalige im Jahre 1889 gegründete Ortsverein
Borsberg-Zaschendorf-Reitzendorf (Vorsitzender: Otto Melchior) setzte sich mit
allen Kräften dafür ein, was aber nicht den erwarteten Erfolg brachte. Die
Bestrebungen des Ortsvereins gingen in erster Linie dahin, neue und gesunde
Wohnungen zu schaffen. Geworben wurde u. a. mit den Worten: "Wer sich hier
ansiedeln will, dem ist viel Gelegenheit geboten, Bauland in schöner Höhenlage
preiswert (qm 2 bis 5 Mark) zu erwerben". Vor dem 1. Weltkrieg bauten sich dann
Arbeiter, die in der nahen Pirnaer und Dresdener Industrie beschäftigt waren,
Häuser beiderseits der alten Höhenstraße.1931 starteten am Triebenberg
erstmals Segelflieger. Dieser Sport war allerdings nach 1945 nicht mehr möglich,
denn der 2. Weltkrieg machte auch um Zaschendorf keinen Bogen. Gewitztes und
mutiges Verhalten der Einwohner ließen die zum "Endkampf" in Stellung gegangenen
Wehrmachtsverbände wieder abziehen und so konnte einer Zerstörung des Dorfes
vorgebeugt werden. Aber auch die Zeit mit der Roten Armee war anscheinend nicht
immer angenehm.
Nach dem Krieg blieb der Ort landwirtschaftlich geprägt und kam als Ortsteil zu
Schönfeld. Heute ist der Triebenberg wieder Startbasis für Hobby-Piloten aller
Art. Nur Segelflieger haben sich nicht mehr angesiedelt. Der Weg zum Gipfel war
jahrzehntelang versperrt, da diese Erhebung für eine militärische Radarstation
der Sowjetischen Streitkräfte ausgebaut wurde. Zu dieser Zeit ist auch der noch
vorhandene Waldgürtel entstanden. Der Abzug der späteren GUS-Truppen vom
Triebenberg fand am 12. Oktober 1992 statt. Danach war noch ungewiss, was aus
dem Objekt werden soll. Heute beherbergt es ein neues Labor für
Höchstauflösungs-Elektronenmikroskopie und elektronische Holographie der TU
Dresden. Diese sind für die Elektronik-Industrie von Bedeutung und inzwischen
gehört das hiesige Labor zu den weltweit anerkannten Einrichtungen der
Spitzenklasse. Für diese Forschungen werden sehr hohe Anforderungen an die
Störfreiheit gestellt, die den Triebenberg auszeichnen.
1993 wurde Zaschendorf Teil der neu gebildeten Großgemeinde Schönfeld-Weißig und
seit dem 01. Januar 1999 gehört der Ort als Stadtteil zur Landeshauptstadt
Dresden.